Winterzeit ist Grippezeit. Viele Menschen niesen, husten und schniefen, werden aber vor Schlimmerem verschont. Bei manchen schlägt die echte, also die saisonale Grippe, allerdings so richtig zu. Sie bekommen hohes Fieber, leiden unter Schüttelfrost und fühlen sich elend. Da Ältere leicht eine Influenza bekommen können, wird für Menschen ab 60 Jahren die Grippeimpfung empfohlen. Dr. Roland Zell, der am Institut für Virologie und antivirale Therapie im Universitätsklinikum Jena arbeitet, sagt, was Senioren beachten sollten.
Herr Zell, warum kann die echte Grippe für Ältere gefährlich werden?
Ältere Menschen besitzen im Vergleich zu jüngeren generell ein schwächeres Immunsystem. Infektionen verlaufen bei ihnen daher häufig schwerer als bei einem gesunden jungen Mensch. Hinzu kommt, dass viele Ältere an Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Krankheiten leiden. Die können den Verlauf von Infektionskrankheiten ungünstig beeinflussen.
Verläuft die Influenza bei älteren Menschen anders oder heftiger?
Fast jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens mehrere Infektionen mit dem Grippevirus durch. Dabei bildet sich ein sogenanntes immunologisches Gedächtnis aus. Das Immunsystem reagiert dadurch bei einer erneuten Infektion mit dem Grippevirus wesentlich schneller. Die Grippe bricht nicht aus oder verläuft deutlich milder. Allerdings haben die Gedächtniszellen, die unter anderem für die schnelle Immunantwort verantwortlich sind, eine begrenzte Lebensdauer und nehmen mit zunehmendem Alter ab. Das bedeutet, dass das Abwehrsystem eines älteren Menschen den Erreger häufig nicht so schnell bekämpfen kann. In Folge verläuft die Influenza stärker und hält länger an. Manchmal entwickelt sich sogar zusätzlich eine lebensbedrohliche, bakterielle Lungenentzündung.
Trifft die Grippe prinzipiell eher ältere Menschen? Bei der Schweinegrippe waren ja mehr Jüngere erkrankt.
Hier muss man zwischen der Infektion mit Grippeviren und der Grippeerkrankung unterscheiden. Die Infektion trifft prinzipiell alte und junge Menschen gleichermaßen, wenn sie dem Erreger ausgesetzt sind. Ob es aber tatsächlich zu einer Grippeerkrankung kommt, hängt ganz entscheidend vom Immunstatus des Einzelnen ab. Ältere Menschen, die generell ein schwächeres Abwehrsystem haben, erkranken häufiger an der Grippe als Jugendliche und junge Erwachsene. Kleinkinder sind ebenfalls anfälliger, da ihr Immunsystem noch nicht voll ausgebildet ist.
Die Schweinegrippe stellte eine Ausnahme von dieser Regel dar. Der Erreger ähnelte Grippeviren, die vor einigen Jahrzehnten schon einmal zirkulierten. Gerade viele ältere Menschen besaßen dagegen noch schützende Antikörper. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene allerdings nicht. Deshalb trat die Schweinegrippe bevorzugt bei der jüngeren Generation auf.
Angeblich wirkt die Grippe-Impfung bei Älteren nicht mehr so effizient. Stimmt das?
Ja, das ist richtig. Nicht bei allen Geimpften entwickelt sich der volle Immunschutz. Außerdem hält dieser auch nicht so lange an.
Warum?
Das liegt an dem oben schon erwähnten immunologischen Gedächtnis, das mit zunehmendem Alter nachlässt. Es gibt also weniger der speziellen Gedächtniszellen, die bei Erregerkontakt eine schnelle Immunantwort aktivieren.
Was sollten ältere Menschen dann beachten?
Es ist sehr wichtig, dass der Impfschutz regelmäßig wie empfohlen erneuert wird. Zudem gibt es Grippe-Impfstoffe, die speziell für Ältere entwickelt wurden. Sie enthalten einen Impfverstärker, der die Bildung von vielen Gedächtniszellen begünstigen soll. Patienten lassen sich zu diesem Thema am besten individuell vom Arzt beraten.
Dr. Martina Melzer / www.senioren-ratgeber.de;
04.10.2010, aktualisiert am 25.10.2011
Bildnachweis: privat, Fotolia/Juri Arcurs/2010
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